Berühmte Bonner Burschenschafter und Bonner Alemannen

A) Alte Bonner Burschenschaft

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874), aktiv WS 1818/19 Sprachwissenschaftler, Professor für deutsche Sprache und Literatur in Breslau (1830 – 1842; wegen der Herausgabe seiner obrigkeitskritischen „Unpolitischen Lieder“ entlassen); Herausgeber der „Bonner Burschenlieder“ 1819 (Kommersbuch der Allgemeinheit), Dichter des „Liedes der Deutschen“ (1841) und zahlreicher Studenten- und Kinderlieder, zuletzt Bibliothekar des Fürsten von Corvey.

Heinrich Heine (ursprünglich: Harry)  (1797 – 1856); aktiv WS 1819/20
Journalist und einer der bekanntesten deutschen Dichter („Deutschland ein Wintermärchen“; „Harzreise“ u.a.), studierte in Bonn, Göttingen und Berlin Jura; ging 1831 nach Paris, wo er letztlich den Folgen der Syphilis erlag.

B) Burschenschaft Fridericia

Justus Wilhelm Lyra (1822 – 1882), aktiv SS 1843
Evangelischer Theologe und Pfarrer in Bad Bevensen und Gehrden / Osnabrück, Komponist u.a. von „Der Mai ist gekommen“ (1842), Herausgeber der „Deutschen Lieder nebst ihren Melodien“ (Vorläufer des Allgemeinen Kommersbuches)

Hermann Heinrich Becker (1820 – 1882), aktiv WS 1843/44
Dr. iur., Publizist und Politiker, aktiver Teilnehmer an der Revolution 1848/49 in Köln, 1849 Gründer und Redakteur der „Westdeutschen Zeitung“ in Köln (Nachfolger der kurz vorher eingestellten „Neuen Rheinischen Zeitung“ von Karl Marx), 1852 zu Festungshaft verurteilt („Kölner Kommunistenprozesse“), seit 1862 Mitglied der preußischen Fortschrittspartei, Oberbürgermeister von Dortmund (1871 – 1875), Oberbürgermeister von Köln (1875 – 1885 ), Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, des Reichtages, des preußischen Herrenhauses (1872 – 1875); wegen seiner roten Haare und seiner revolutionären Betätigung 1848/49 „der rote Becker“ genannt.

C) Burschenschaft Alemannia zu Bonn

Ludwig Aschoff (1866 – 1942), aktiv SS 1885
Bedeutender Pathologe; Assistent bei von Recklinghausen und Professor in Marburg (1903 – 1906) und Freiburg (1906 – 1936), Entdecker u.a. des Reizleitungssystem des Herzens und kleiner rheumatischer Knoten am Herzmuskel (Aschoff-Knoten) und des Aschoff-Tawara-Knoten (Vorhof-Kammer-Knoten; zusammen mit seinem japanischen Schüler Sunao Tawara); zahlreiche Auslandsreisen und -aufenthalte u. a. nach England, Kanada, Japan und in die USA mit zahlreichen Ehrendoktortiteln; großer Einfluss und Bekanntheitsgrad in Japan, Ehrenmitglied der Alemannia 1899.

Jürgen Aschoff (1913 – 1998), aktiv SS 1931
Professor der Medizin, Direktor des Max-Planck-Institutes für Verhaltensphysiologie; gilt als Mitbegründer der Chronobiologie (Lehre von der zeitlichen Organisation von Organismen); Ehrendoktor Uni Gießen 1983, Sohn von Ludwig Aschoff.

Franz Boas (1858 – 1942), aktiv WS 1877/78
Dr. phil., Anthropologe, Professor für Ethnologie an der Columbia University / New York (1899 – 1936), gilt als Gründer der modernen amerikanischen Ethnologie (Ethnosoziologie), Vertreter des Kulturrelativismus (jede Kultur ist relativ und nur aus sich selbst heraus zu verstehen), führte zahlreiche Feldforschungen bei den Eskimos und den Indianern in Amerika durch; Gründer der Emergency Society for Austrian and German Science and Art (zur Unterstützung der deutschen Wissenschaft nach dem 1. Weltkrieg); Akademischer Ehrenbürger der Universität Bonn.

In Minden fand 2008 eine Ausstellung über Franz Boas statt. Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Johann Georg Eschenburg (1844 – 1936), aktiv SS 1862
Dr. iur. utr., Rechtsanwalt und Notar, Staatsekretär, Senator (1884 – 1918) und dreimal (1905/06, 1909/10, 1913/14) regierender Bürgermeister der Hansestadt Lübeck. Neben G. Eschenburg wurden auch 4 weitere Eschenburgs bei Alemannia aktiv. Prof. Theodor Eschenburg (1904 – 1999), der „praeceptor Germaniae“, war ein Enkel von Georg Eschenburg, studierte in Tübingen, wo er bei der Burschenschaft Germania Tübingen aktiv war.

Alfred Fißmer (1978 – 1966), aktiv SS 1897
Dr. iur., Stadtrat und Polizeidezernent in Bochum, 1919 Bürgermeister, ab 1923 Oberbürgermeister von Siegen (bis1945); verhinderte am 9. November 1938 („Reichsprogromnacht“) das Abbrennen der Siegener jüdischen Synagoge; durch den Bau zahlreicher Bunker rettete er zahlreiche Bürger vor dem Tod während der alliierten Bombardements von Siegen; Ehrenbürger der Stadt Siegen, Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland.

Karl vom Hofe (1868 – 1969), aktiv SS 1920
Prof. Dr.med., Studium in Marburg und Bonn, 1923 Dissertation, 1927 Habilitation (medikamentöse Glaukombehandlung), 1926 – 1929 Assistent bei Walter Löhlein in Jena, 1930 – 1933 Oberarzt in Leipzig und Köln, 1933 a.o. Professor in Köln, 1934 komm. Leiter der Augenklinik in Breslau, 1935 Ordinarius für Augenheilkunde in Greifswald, 1938 – 1966 Ordinarius in Köln, Dekan der Medizinischen Fakultät, Vorstandsmitglied 1940 – 1958 und 1957/58 Vorsitzender der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft.

Karl Jarres (1874 – 1951), aktiv SS 1894
Dr. iur., Politiker, Mitglied der DVP, Beigeordneter in Düren (1901 – 1906), Beigeordneter in Köln (1907 – 1910), Oberbürgermeister von Remscheid (1910 – 1914), Oberbürgermeister von Duisburg (1914 – 1933), Mitglied des preußischen Herrenhauses (1914 – 1918); Mitglied (ab 1919) und Vorsitzender des Rheinischen Provinziallandtages (1922 – 1932); Reichsinnenminister und Vizekanzler (1923 – 1924), Reichspräsidentschaftskandidat 1925; Aufsichtsratsvorsitzender der Klöckner-Werke AG (1942 – 1951); langjähriger Vorsitzer des Verwaltungsrates des VaBA und Ehrenmitglied der Alemannia 1919.

Hanns Jess (1887 – 1975), aktiv SS 1907
Dr. iur., 1919 Stadtrat und Polizeichef von Schwerin, 1923 Min.Rat und Leiter der Polizeiabt. im Innenministerium Mecklenburg, Direktor des Landeskriminalamtes Mecklenburg (1931 – 1933), 1945 von den Briten als leitender Landesminister ein- und von den Russen abgesetzt, Leiter der Reichbahndirektion Schwerin (1945 – 1948); nach seiner Flucht in den Westen Vizepolizeipräsident in Frankfurt / M. (1949 – 1952), erster Direktor des Bundeskriminalamtes (BKA; 1952 – 1955); komm. Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (1954 – 1955), Mitglied im Stadtrat Frankfurt/M. (1956 – 1964), zeitweise CDU-Ratsfraktionsvorsitzender (1960 – 1962); Träger der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt 1962, großes Bundesverdienstkreuz.

Carl Lehr (1842 – 1919), aktiv WS 1861/62
Jurist und Politiker, Landrichter in Kirchhundem, Richter in Duisburg (1874 – 1879), Oberbürgermeister der Stadt Duisburg (1879 – 1914); somit Amtsvorgänger von Karl Jarres; in seine Amtszeit fallen die Eingemeindungen von Ruhrort und Meiderich; Mitglied des preußischen Herrenhauses, Ehrenbürger Duisburgs 1912.

Walter Löhlein (1882 – 1954); aktiv SS 1900
Prof. Dr. med., Professor für Augenheilkunde in München, Gießen, Leipzig, Greifswald (1907 – 1914; 1918 – 1921), Dorpat, Jena (1924 – 1932; zeitweise Dekan und Rektor), Freiburg, ab 1934 Ordinarius in Berlin und Leiter der Augenklinik der Charité; Vorsitzender der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft 1934 – 1947 und deren Ehrenmitglied; Ehrenmitglied der Alemannia 1935.

Karl Lohmann (1898 – 1978), aktiv WS 1920/21 (Alemannia Münster)
Prof. Dr. phil., Chemiker, Studium der Chemie in Münster und Göttingen; entdeckte 1928 das Adenosintriphosphats (ATP) = „Treibstoff für den menschlichen Körper“; Professor für Chemie an der Berliner Humboldt-Universität, Leiter des Institutes für Biochemie am Medizinisch-Biologischen Forschungszentrum der Deutschen Akademie der Wissenschaften.

Paul Lohmann (1858 – 1955), aktiv WS 1878/79
Dr. phil., Chemiker, entwickelte ein Verfahren zur Gewinnung chemisch reinen Eisens und gründete die „Dr. Paul Lohmann Chemische Fabrik“ (heute: Dr. Paul Lohmann GmbH & Co. KG, Emmerthal bei Hameln)

Willi Meyer (1858 – 1932), aktiv SS 1876
Dr. med., Professor für Chirurgie Woman´s Medical College in New York (1886 – 1893), leitender Chirurg am German Hospital (seit dem 1. Weltkrieg Lennox Hill Hospital) in New York (1887 – 1923), Gründer und Präsident der American Society for Thoracic Surgery, Vetter von Franz Boas.

Carl Neinhaus (1888 – 1965), aktiv WS 1905/06
Dr. iur., Beigeordneter in Homburg (1919 – 1920), Beigeordneter beim Deutschen Städtetag in Berlin (1920 – 1923), Beigeordneter in Barmen / Wuppertal, Oberbürgermeister Stadt Heidelberg (1928 – 1945 und 1952 – 1958), Landtagsabgeordneter Württemberg-Baden (1950 – 1952) und Baden-Württemberg (1952 – 1960), Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung Baden-Württemberg, 1. Landtagspräsident (1952 – 1960), Ehrenbürger Heidelberg 1964, großes Bundesverdienstkreuz, Verfassungsmedaille des Landes Baden-Württemberg in Gold.

Carl. T. Noeggerath (1876 – 1952), aktiv SS 1895
Prof. Dr. med.; Prof. für Kinderheilkunde an der Universität Freiburg und Leiter der Universitätskinderklinik in Freiburg / Br.

Otto Oppermann (1873 – 1946), aktiv SS 1892
Professor für mittelalterliche Geschichte in Utrecht / Niederlande; Verfasser der „Geschichte der Burschenschaft Alemannia zu Bonn und ihrer Vorläufer“ in zwei Bänden (1925); Ehrenmitglied der Alemannia 1909.

Alexander Pflüger (1869 – 1946), aktiv SS 1888
Professor für Theoretische Physik an der Universität Bonn (1908 – 1935), Organisator der großen Bismarckhuldigung der deutschen Studentenschaft 1895; langjähriger Allein-Vorstand des VaBA (1904 – 1946) und Ehrenmitglied der Alemannia 1899.

Friedrich Daniel von Recklinghausen(1833 – 1910), aktiv SS 1852
Prof. Dr. med., Medizinstudium in Bonn, Würzburg und Berlin, 1855 Promotion („Eiterbildung im Blut“), Assistent bei Rudolf (von) Virchow in Berlin (1858 – 64) mit Habilitation im Fach Pathologie; Professor für Anatomische Pathologie in Würzburg (1864) und Königsberg (1865 – 1867), Ordinarius für Pathologie in Würzburg (1867 – 1872) und Straßburg (1872 – 1906), dort auch Dekan und Rektor; beschrieb 1882 als erster das Krankheitsbild der Neurofibromatose, deren einer Typ auch „Morbus Recklinghausen“ genannt wird.

Karl August Reiser (1908 – 1974), aktiv WS 1927/28
Prof. Dr.med., Prof. für Augenheilkunde in Bonn und Straßburg, Vorsitzender des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte; Ehrenmitglied der Alemannia 1950.

Rudolf Ritschl (1902 – 1982), aktiv WS 1921/22
Dr. phil., Professor für Physik an der Humboldt-Universität Berlin, Direktor des Institutes für Optik und Sprektroskopie der Akademie der Wissenschaften der DDR.

Albert Schmidt (1893 – 1945), aktiv WS 1913/14
Lic. theol., Pfarrer in  Bottrop (1923-26) und der Altstadtgemeinde in Bochum (1926-38; „Arbeiterpfarrer“), Mitglied des Bochumer Stadtrates, des Westfälischen Provinziallandtages, Reichstagsabgeordneter für den Christlich-Sozialen Volksdienst (1930 -1933), Mitglied der Bekennenden Kirche; aufgrund seiner regimekritischen Predigten und mutigem Eintreten für einen jüdischen Amtsbruder von der Gestapo 1938 inhaftiert, aus seiner Heimatgemeinde ausgewiesen und mit einem reichsweiten Redeverbot belegt. Er verstarb als Pfarrer in Werther /Westf. In Bochum wurde die Roonstr. 1947 zu seinen Ehren in Schmidtstr. umbenannt.

Paul Schmidt (1898 – 1976), aktiv SS 1919 (Alemannia Münster)
Dipl.-Ing., Erfinder des nach ihm benannten „Schmidtrohres“, eines Strahltriebwerkes, das als Antrieb für die V1-Raketen benutzt wurde; ein Exemplar ist im Deutschen Museum in München heute noch ausgestellt; Bruder von Albert Schmidt.

Kurt Stephenson (1899 – 1985), Bierzipfel der Alemannia 1954, Band 1959
Dr. phil., Musikprofessor in Bonn (1948 – 1965), zeitweise Mitherausgeber der „Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts“ der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung (GfbG) und deren langjähriger 1. Vorsitzender, Träger der Herman-Haupt-Plakette, Mitbegründer der Bonner Bach-Gemeinschaft.

Wilhelm Thun (1896 – 1973), aktiv Alemannia SS 1919 Münster
Dr. rer.pol. Dr. iur., 1930 – 1961 DEMAG, seit 1934 als Finanzvorstand

Egon Treeck (1894 – 1966), aktiv SS 1919 (Alemannia Münster)
Dr. rer. pol., Geschäftsführer, 1933 Berufssoldat, zuletzt Oberst und Kommandeur einer Gebirgsjägerdivision in der Steiermark, Ritterkreuzträger, nach Kriegsgefangenschaft Steuerberater.

Hellmut Wollenweber (1903 – 1976), aktiv SS 1922
Prof. Dr. agr. Dr. rer.pol., 1937 – 1942 Prof. für Volkswirtschaft und Agrarpolitik in Berlin, 1942 – 1945 Prof. in Graz, 1955 a.o. Prof. der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn, 1962 – 1968  Prof. für ländliche Soziologie und Agrargeschichte in Bonn.